Tuesday, July 10, 2007

Anamnesen im Personal Training

Ich bin nach langer Zeit mal wieder beim Arzt gewesen und was hat mich die Assistentin und dann die Ärztin gefragt, bevor sie mir doch tatsächlich eine Betäubung und einen kurzen Schnitt in die Haut verpasst hat? "Kann ich bitte Ihre Versichertenkarte haben, dann geht es flotter in den PC." Die Ärztin kam dann nach weiteren 10 Minuten und es hieß: "Bitte frei machen. Möchten Sie noch ein Beruhigungsmittel oder halten Sie etwas aus?"

So kann es gehen in Klinken, in großen Praxen aber auch beim Hausarzt der gerade seine Ferienvertretung da hat. Niemand hat mich gefragt ob ich Allergikerin bin, ob ich jemals negativ auf Betäubungsmittel reagiert habe, ob ich evtl. schwanger bin, Blutdruckprobleme oder eventuell Bluterin bin.

Wie nennt man das was ich vermisst habe? Persönliche Betreuung und Anamnese!
Persönliche Betreuung: ok- vielleicht heute nur als Selbstzahler in Privateinrichtungen oder kleineren Einrichtungen auf dem Land, aber die Anamnese - die sollte doch wenigstens ansatzweise gemacht werden, oder?
Anamnese, was ist das? (Definition: Wikipedia)
"Eine sorgfältige Anamneseerhebung schließt biologische, psychische und soziale Aspekte mit ein. Die dabei erhaltenen Einzelinformationen erlauben oftmals Rückschlüsse auf Risikofaktoren und kausale Zusammenhänge. Ein therapeutisches Anliegen ist damit nicht direkt verbunden, wenn gleich bereits allein das Reden über die Probleme eine heilsame Wirkung haben kann. Die Anamnese wird im Regelfall vor der medizinischen Untersuchung erhoben."

Eine solche Anamnese ist durch die neuen Regelungen für Praxen und Kliniken sehr selten noch ausführlich , noch, so meiner Ansicht nach, sehr persönlich oder heilsam.
Überall heißt diese Erhebung persönlicher Informationen "Anamnese" und kaum noch ist es eine. Vielmehr, so sehen es Betroffene, wird versucht, möglichst wenig Zeit mit Fragen zu verbringen, um möglichst viele Patienten in minimaler Zeitspanne "durchzuschleusen".

Im Personal Training gibt es ebenso Anamnesen. Es geht um die gesundheitliche, sportliche und persönliche Vorgeschichte des Kunden. Jeder Trainer hat hier seine besondere Art diese Informationen zu erfragen. Es ist keine Kassenleistung, keine verschreibungspflichtige Therapie - es ist der Weg zu einer gezielten körperlichen und/oder seelischen Veränderung, in die der Kunde gerne investiert, sobald bereits schon ab der Anamnese klar ist wie intensiv und detailliert diese "Zusammenarbeit" sein wird.

Über einige Jahre habe ich die Anamnese mit einem Fragebogen gemacht und bin diesen Punkt für Punkt mit meinem Gegenüber durchgegangen, jedoch habe ich festgestellt, dass wenn ich Fragen völlig frei im Kontext eines Gespräches führe, aber mit Professionalität und Erfahrung kein wichtiges Detail vergesseund kurze Notizen mache, ich wesentlich mehr vom Kunden erfahre und so ist dann tasächlich der erste Schritt zur heilenden Wirkung und Motivation zur Eigeninitiative gegeben. Der Kunde öffnet sich ein Stück - der Personal Trainer kann die Richtung des Trainingsprogrammes bereits erkennen.
Eine gute, einfach verständliche aber detailiierte Software sollte hier jedoch jedem professionellem Personal Trainer helfen. Ich selbst arbeite mit Medocheck, denn hier kann ich ganz individuell arbeiten und habe ein Programm, dass sich meinen Fragen und Tests anpasst-ich gebe alle erfragten Daten hinterher dort ein (http://www.medocheck.de/). Andere schreiben sich selbst Tabellen oder nutzen Therapeutenprogramme, aber soll nicht gerade Personal Training "personal" sein - ganz persönlich und dennoch möglichst detailliert?

Mein Rat an alle die Patienten, Kunden, Menschen nach gesundheitlicher- und persönlicher Vorgeschichte befragen. Bleiben Sie selbst Mensch. Seien Sie kein "Roboter" der abfragt, vergessen Sie aber auch keine wesentlichen Details. Üben Sie im Alltag mehr über Ihr gegenüber zu erfahren und es sich später in Erinnerung zu rufen und festzuhalten. Sie werden nicht nur immer professioneller, Sie erleben wie dankbar Menschen sind wenn Sie nach Ihrem Knieleiden fragen, nach dem leichtem Ziehen in der Hüfte oder an ihren Geburtstag denken und noch wissen was das gegenüber gerne mal "nascht".

Vielleicht ist eine persönliche Anamnese heutzutage nur noch Utopie für Kassenpraxen, denn es ist sehr viel Ungerechtigkeit im System und zuviele Einschränkungen, aber wir als Patienten können uns aussuchen ob wir ab und an doch etwas mehr in unser Wohlbefinden investieren und dort eine Anmanese machen lassen wo nicht nur nach den Krankenkassendaten gefragt wird.

In diesem Sinne.
Bleiben Sie gesund und gönnen Sie sich mal wieder etwas.

Claudia Paine